Spaziergänge mit Hund sind oft mehr als nur Bewegung. Sie sind Begegnung, Alltag, Beziehung – und manchmal ein Spiegel dessen, wie klar wir selbst gerade sind.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich das beschreiben kann, was mir auf Spaziergängen wirklich wichtig ist. Es geht dabei nicht um Technik, nicht um Leinenführigkeit im klassischen Sinne und auch nicht um ein festes System. Es geht um Haltung.
Der Rahmen schenkt Freiheit
Ich gehe spazieren. Mit einem Ziel, einer Richtung und einem Tempo, das sich für mich stimmig anfühlt. Mein Hund begleitet mich dabei. Das heißt nicht, dass er nichts darf oder jeder Schritt kontrolliert wird. Im Gegenteil: Gerade weil der Rahmen klar ist, kann ich meinen Hund einfach mal machen lassen.
Schnüffeln, erkunden, abschweifen, Hund sein. Führung bedeutet für mich nicht permanente Einflussnahme. Sie bedeutet, orientierend präsent zu sein, ohne ständig eingreifen zu müssen.
Orientierung entsteht im Innen, nicht im Außen
Viele Menschen hoffen, dass Orientierung durch Training entsteht – durch Wiederholungen, Signale und Konsequenz an der Leine. All das kann hilfreich sein, aber es greift zu kurz. Orientierung entsteht dort, wo Klarheit ist. Und diese Klarheit beginnt nicht beim Hund, sondern beim Menschen.
Wir selbst orientieren uns an Menschen, die wissen, wo sie hinwollen. Die nicht bei jeder Kreuzung zögern oder ständig ihre Meinung ändern. Warum sollte das für unsere Hunde anders sein? Wenn wir uns von jedem Reiz treiben lassen und dem Hund jede Entscheidung überlassen, wird Orientierung schwierig. Nicht, weil der Hund „dominant“ ist, sondern weil Führung fehlt.
Führung ist keine Kontrolle
Mir ist wichtig, das klar zu sagen: Das hier ist kein Plädoyer für Strenge oder Verbissenheit. Führung bedeutet nicht, alles zu bestimmen oder den Hund klein zu halten. Führung bedeutet, einen verlässlichen Rahmen zu haben – und ihn nicht ständig beweisen zu müssen.
Ich muss meinen Hund nicht ununterbrochen lenken, weil er weiß, dass ich da bin. Dass ich übernehme, wenn es nötig ist. Nicht alles selbst entscheiden zu müssen, kann für Hunde eine echte Entlastung sein. Je klarer der Weg, desto mehr Freiheit ist möglich.
Führung bedeutet nicht, alles zu bestimmen. Führung bedeutet, einen verlässlichen Rahmen zu haben
Die Weisheit der Jahre
Mit meiner alten Hündin sehe ich vieles heute deutlich gelassener. Sie ist jetzt 13 ½ Jahre alt und der Grund, warum ich heute diesen Beruf ausübe. Wir haben viel durchgestanden. Und ja – sie darf heute mehr „ihr Ding machen“.
Beziehung verändert sich über Zeit, und Führung darf das auch. Es macht einen Unterschied, ob ich mit einem jungen, ungestümen Hund unterwegs bin oder mit einem Senior, der mein Leben und mich in- und auswendig kennt.

Fazit: Zurück zum gemeinsamen Weg
Spaziergänge werden leichter, wenn wir bei uns bleiben. Bei unserem Weg und unserer inneren Haltung. Dabei zählen auch unsere Bedürfnisse: Ein Spaziergang darf auch uns gut tun – und genau das macht uns für unsere Hunde zu einem verlässlichen Orientierungspunkt.
Vielleicht ist das kein klassischer Trainingsansatz. Aber es ist eine Einladung, den nächsten Spaziergang weniger darauf zu schauen, was der Hund gerade „dürfen müsste“ – und mehr darauf, wie klar du selbst unterwegs bist.
Mein Angebot für dich: Wenn du merkst, dass eure Spaziergänge gerade kraftraubend sind, lohnt es sich oft, weniger am Symptom und mehr an der Haltung anzusetzen. Genau hier begleite ich dich und deinen Hund in meiner Arbeit als Trainer.
